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Naturwissenschaft bei Wort und Wissen – eine zweite Bilanz



Inhalt


Die wissenschaftliche Arbeit bei der Studiengemeinschaft Wort und Wissen geschieht in der Gewissheit, dass Gottes Wort ewige Gültigkeit besitzt, während menschliches Wissen vorläufig und fehlbar ist. Dabei ist uns bewusst, dass die Schöpfung weder in ihrem Werden noch in ihrem Sein allein wissenschaftlich erfassbar und erklärbar ist. Die Studiengemeinschaft Wort und Wissen möchte – wie es ihr Name ausdrückt – zwei Ebenen menschlicher Erkenntnis zusammenbringen: Der Glaube an Jesus Christus und die biblische Überlieferung („Wort“) sind die Grundlage, auf der das mit wissenschaftlichen Methoden gewonnene Wissen gedeutet werden soll. Wir betreiben Wissenschaft in der Überzeugung, dass die Welt erstens geschaffen ist und zweitens dass dies im Rahmen der biblischen Darlegung des Schöpfungsprozesses geschehen ist.

Zu Beginn der Arbeit im deutschsprachigen Raum bestand aufgrund zahlreicher Kritikpunkte an Evolutionstheorien die Hoffnung, sowohl den Ansatz der Evolution mit naturwissenschaftlichen Argumenten überwinden zu können als auch gleichzeitig ein biblisches Kurzzeit-Schöpfungsszenario belegen zu können. Für viele galten die Jahrmillionen der Geologie und Kosmologie als wissenschaftlich schlecht begründet oder gar als willkürliche Annahme. Es wurde oft der Eindruck erweckt, die Schlacht sei eigentlich geschlagen.

Im Laufe der Jahre und bei tieferem Eindringen in die Problematik aber zeigten sich zunehmend Schwierigkeiten und zwar vor allem in Bezug auf den zweiten Punkt, der Darlegung eines biblischen Kurzzeit-Szenarios. Der Fortgang der Forschung brachte neben bestätigenden Befunden auch manch harte Nuss für die von Wort und Wissen verfolgten wissenschaftlichen Ansätze. Einfache Antworten in Wissenschaftsfragen erwiesen sich als nicht tragfähig. Auf viele Fragen haben wir keine Antworten, vor allem wenn es um die Zeiträume seit der Erschaffung der Erde geht. Bereits im Jahr 1996 haben wir aus diesem Grunde eine erste Bilanz veröffentlicht, in der nicht nur auf die guten Argumente, sondern auch auf die beträchtlichen Schwierigkeiten hingewiesen wurde, mit denen sich unsere Mitarbeiter befassen und auseinandersetzen.

Mittlerweile sind weitere 16 Jahre vergangen, in denen sich manche Entwicklungen fortgesetzt haben, aber auch neue Ansätze für die Aufarbeitung wissenschaftlicher Forschungsergebnisse verfolgt wurden. Mit dieser Überarbeitung möchten wir einen aktualisierten Einblick geben, wie wir die Situation in unserer Arbeit einschätzen, in der wir in erster Linie dem biblischen Wort verpflichtet sind, aber auch wissenschaftliche Befunde ernst nehmen. Eine realistische Bilanz ist notwendig, um weiterhin die richtigen Akzente und Prioritäten in der Arbeit zu setzen.

Die Ausführungen beschränken sich auf den naturwissenschaftlichen Sektor der Auseinandersetzung um „Bibel und Wissenschaft“ sowie auf damit zusammenhängende theologische Fragen. Andere Arbeitszweige unserer Arbeit wie die Biblische Archäologie und die Wirtschaftswissenschaften werden hier nicht thematisiert.

Wo wir gute Argumente sehen

Es ist vergleichsweise leicht, viele Phänomene zusammenzutragen, die verdeutlichen, dass die Welt erschaffen wurde. Das im Alten und Neuen Testament immer wieder hervorgehobene Schöpfungszeugnis spiegelt sich in der Natur (bzw. in der Schöpfung) klar wider – ganz im Sinne von Römer 1,19f. In vielen Teilgebieten ist fundierte Evolutionskritik möglich. Die fast 60 Jahre währenden intensiven Bemühungen, Leben aus Nichtleben zu erklären (Ursuppen-Modelle) sind bisher fehlgeschlagen. Auch ein experimentell nachvollziehbarer natürlicher Mechanismus, durch den Lebewesen in anders konstruierte Grundtypen mit neuartigen Bauelementen umgewandelt werden können (Makroevolution), ist nicht bekannt. Nachgewiesene Veränderungen bewegen sich nur im Bereich der Mikroevolution, können jedoch nicht einfach auf Makroevolution ausgedehnt werden. Der „Ähnlichkeitsbeweis“ der Evolution kann heute in einigen Bereichen besser als vor 20 Jahren in Frage gestellt werden. Die Behauptung, es gebe Konstruktionsfehler bei den Lebewesen, die gegen eine Schöpfung sprächen, konnte in zahlreichen Fällen widerlegt werden, was allerdings nicht unser Verdienst, sondern dem allgemeinen Fortschritt der Forschung geschuldet ist. In der Paläontologie (Lehre von den Lebewesen früherer Zeiten) zeigt sich unverändert, dass neue Gruppen von Lebewesen in der Abfolge der geologischen Systeme relativ abrupt und vielgestaltig erscheinen, nicht in Form allmählicher Steigerung der Formenvielfalt, so wie Darwin es postuliert hat. Das Argument des Fehlens von Zwischenformen muss jedoch differenziert behandelt werden, da immer wieder Funde gemacht werden, die zumindest als Zwischenformen deutbar sind. Andererseits sperrt sich die häufig parallel auftretende Formenvielfalt zunehmend gegen die Anordnung in einem evolutionär interpretierbaren Baumschema. Es gibt zudem Hinweise darauf, dass die physikalischen Gesetze und kosmologischen Rahmenbedingungen fein abgestimmt sind und dass Leben, wie wir es kennen, mit leicht veränderten Naturgesetzen oder Rahmenbedingungen nicht möglich wäre.

Ansätze zu Alternativmodellen, die von Schöpfung ausgehen, konnten erarbeitet werden; so z. B. in der Grundtypenbiologie: Es ist in der Biologie möglich, Grundtypgrenzen biologisch plausibel zu machen und Grundtypen dann (versuchsweise) im Rahmen der Schöpfungslehre mit den „geschaffenen Arten“ gleichzusetzen. In Teilgebieten der Geowissenschaften können zunehmend rasche katastrophische, kurzzeitige Prozesse nachgewiesen werden, die z. T. in deutlichem Gegensatz zu den üblichen Langzeitvorstellungen stehen. Auch im Bereich der menschlichen Frühgeschichte sprechen einige gewichtige Befunde viel stärker für einen sehr kurzen Zeitraum, in dem die Menschheit existiert.

Neue interessante Aspekte der Kritik an evolutionären Vorstellungen und den etablierten Zeitvorstellungen ergeben sich aus Befunden, die belegen, dass selbst die zur Verfügung stehenden langen geologischen Zeiten nicht ausreichen, um den hohen Entwicklungszustand von Organismen oder Organsystemen (z. B. Entstehung des Lebens, der Augen) in den geologischen Horizonten zu erklären. Darüber hinaus finden sich deutliche Belege für ein unerwartetes und aus evolutionärer Sicht deutlich zu „frühes“ Auftreten von Lebensformen (z. B. von vielen Pflanzengruppen und Säugetieren) oder von menschlichen Hinterlassenschaften (Werkzeuge bis ins untere Tertiär).

In unserer Arbeit ist uns auch wichtig, dass die weltanschauliche Verflochtenheit von Herkunftsvorstellungen dokumentiert und hervorgehoben wird. Nicht nur mit fachwissenschaftlichen, sondern auch mit wissenschaftstheoretischen Argumenten wurde gezeigt, dass auf der Basis unterschiedlicher Leitideen (z.B. Schöpfung oder Evolution) verschiedene Deutungen naturwissenschaftlicher Daten möglich sind. Eine rein naturalistische Deutung der Welt ist dagegen auch aus verschiedenen philosophischen Gründen unplausibel.

Vieles ist in der Öffentlichkeit kaum bekannt, und es ist uns ein Anliegen, hier Aufklärung zu betreiben.

Offene Fragen

Den genannten positiven Aspekten unserer Arbeit stehen aber auch schwierige, ungelöste Fragen gegenüber. Nach dem gegenwärtigen Stand des Wissens in den naturwissenschaftlichen Fachgebieten gelingt im Rahmen der biblischen Schöpfungslehre eine überzeugende Modellbildung in vielen Gebieten gar nicht oder nur ansatzweise. Die offenen Fragen betreffen vor allem den Zeitraum, der seit der Erschaffung der Welt verflossen ist, und Fragen im Zusammenhang mit der Sintflut. Um einige Beispiele zu nennen: Wir können nicht nachweisen, wo Beginn und Ende der Sintflut in der geologischen Überlieferung liegen. Das Muster der Gesamt-Abfolge der geologischen Formationen und ihrer Fossilgruppen können wir ebenfalls nicht erklären. Ökologische Ursachen statt evolutionärer Vorgänge können wir dafür nur in Teilbereichen plausibel machen (dann ist auch begründete Kritik an der evolutionären Deutung der Fossilabfolge möglich). Es ist unklar, wie die gewaltigen geologischen Prozesse wie etwa die Plattentektonik (Kontinentaldrift) oder die Abkühlung riesiger Magmamassen im biblischen Kurzzeitrahmen erklärt werden sollen. Viele Fragen sind auch offen, wenn es um die Bildung der Varietäten des Menschen, die nachsintflutliche kulturelle Entfaltung der Menschheit und ihre Ausbreitung im biblisch überlieferten Zeitrahmen geht. Wir müssen nach wie vor passen, wenn wir naturwissenschaftlich erklären sollen, wie die im Langzeitrahmen konkordant erscheinenden radiometrischen und nichtradiometrischen Altersdaten alternativ in einem sehr engen Kurzzeitrahmen zu verstehen sind (auch wenn die Langzeitdeutungen nicht im strengen Sinne absolut sind). Ebenso ist eine Kurzzeitkosmologie nicht in Sicht, während im aktuellen Standardmodell der Kosmologie („Urknallmodell“) viele astronomische Befunde schlüssig eingefügt werden können. Problemen bezüglich Zeitfragen sehen wir uns auch in der Biologie gegenüber: nach bisherigem Verständnis scheinen die molekularen Unterschiede zwischen Arten derselben Grundtypen (also den von uns postulierten geschaffenen Arten) viel zu groß zu sein, als dass sie sich in wenigen tausend Jahren etabliert haben könnten. Hier fehlt uns wie in vielen Fragen ein überzeugender Deutungsschlüssel.

Zusammenfassend stellen wir fest, dass der biblischen Kurzzeit-Schöpfungslehre besonders in den Bereichen Kosmologie, Geowissenschaften und Paläontologie naturwissenschaftlich plausible Gesamt-Szenarien fehlen. Wenn es darum geht, die gesamte in 1. Mose 1-11 geschilderte Urgeschichte vom Sündenfall, der Sintflut und der Völkerzerstreuung nach dem Versuch des Turmbaus zu Babel mit den Daten der Naturwissenschaften zusammenzubringen, treten große Schwierigkeiten auf. Es scheint so, als ob wir uns nach wie vor damit begnügen müssen, aufgrund fachlicher und wissenschaftstheoretischer Kritik eine generelle naturalistische Weltsicht und den Monopolanspruch der Evolutionslehre zurückzuweisen. Alternativen können wir nur in wenigen Teilbereichen anbieten.

Um es auf den Punkt zu bringen: Während zwar die Argumente gegen eine (naturalistische) Evolutionshypothese relativ stark sind, fällt es uns insgesamt leichter, naturwissenschaftlich eher gegen als für ein Kurzzeit-Szenario zu argumentieren, so wie wir es biblisch verstehen. Das erleben einige von uns oft schmerzlich bei Vorträgen und in Diskussionen mit Fachleuten. Wir müssen hier öfter als uns lieb ist unser Nichtverstehen einräumen, und zwar nicht nur bei Randfragen, sondern oft in Zusammenhängen wie den oben genannten, für die wir uns als Christen besonders interessieren.

Mögliche Missverständnisse und notwendige Klarstellungen

Die soeben durchgeführte offene Kritik an eigenen Modellvorstellungen darf nicht missverstanden werden. Damit wird weder der Glaube noch die Überzeugung an die Wahrheit der Heiligen Schrift kritisiert oder in Frage gestellt. Es wird damit auch kein Kurswechsel von Wort und Wissen eingeleitet. Es ist – unabhängig von der Plausibilität biblisch orientierter wissenschaftlicher Modelle – unbedingt zwischen der biblischen Überlieferung als solcher und darauf aufgebauten wissenschaftlichen Theorien oder historischen Rekonstruktionen zu unterscheiden. Wenn also auf einigen naturwissenschaftlichen Gebieten nicht die biblische Schöpfungslehre, sondern eine Form eines Langzeit-Szenarios die Daten und Argumente dem Anschein nach auf ihrer Seite hat, zeigt dies eine Schwierigkeit im Zusammenführen von biblischen Aussagen zur Schöpfung und Daten der Erfahrungswissenschaften an. Davon unberührt bleibt unsere Überzeugung, dass das biblische Zeugnis über Gott als Schöpfer und Erhalter, so wie wir es zum Beispiel im Schöpfungsbericht vorfinden, zuverlässig ist. Die Reihenfolge „Wort und Wissen“ im Sinne von „Wort Gottes über dem Wissen des Menschen“ möchten wir wegen ungelöster Fragen nicht aufgeben. Die in der Heiligen Schrift geoffenbarte Heilsgeschichte Gottes mit der Menschheit werden wir nicht wechselnden wissenschaftlichen Theorien anpassen.

Ein Aspekt dieser Bilanz muss noch genannt werden: Die wissenschaftliche Arbeit, welche in die Schöpfungsforschung investiert wurde, ist gegenüber den Bemühungen evolutionstheoretisch orientierter Wissenschaftler äußerst klein. Daher ist gar nicht zu erwarten, dass innerhalb weniger Jahre mit einer Handvoll meist ehrenamtlicher Mitarbeiter den seit über 100 Jahren weltweit, staatlich geförderten und von tausenden Wissenschaftlern vorangetriebenen Evolutionstheorien eine dem Umfang nach auch nur annähernd ebenbürtige Modellkonzeption entgegengesetzt werden kann. Inwieweit das Mitwirken von wesentlich mehr Mitarbeitern in allen Disziplinen wesentliche Fortschritte in der Schöpfungsforschung bringen würde, muss natürlich offen bleiben.

Aus biblischer Sicht wissen wir, dass wissenschaftliches Arbeiten Stückwerk bleiben wird (vgl. z. B. Pred 8,16-17; 11,5; Jes 55,8-9; Jer 31,37; 1Kor 13,10). Unsere wissenschaftliche Arbeit im Rahmen von Wort und Wissen wird oft nur Detailwissen bringen. Fraglich ist ohnehin, ob eine gefallene Schöpfung überhaupt ein widerspruchsfreies Verständnis gestattet (2. Thess 2, 11). Auf der anderen Seite haben wir den Forschungsauftrag („Machet euch die Erde untertan“ – 1. Mose 1,28; „Groß sind die Werke des Herrn, erforschenswert für alle, die Gefallen an ihnen haben.“ – Ps 111,2) und wir sehen es als bleibende Zeugnis-Aufgabe an, Theorien über die Natur und ihre Geschichte zu hinterfragen, wo sich ein Dissens zur Bibel ergibt (vgl. 1Petr 3,15).

Nicht zuletzt kann eine biblisch motivierte Kurzzeitvorstellung der Erd- und Kosmosgeschichte prinzipiell nicht alleine (!) über naturwissenschaftliche Argumente Plausibilität erlangen. Denn nach dem biblischen Zeugnis haben wir es mit einem übernatürlichen Handeln Gottes in der Schöpfung und ihrer Geschichte zu tun, welches nicht mit naturwissenschaftlichen Gesetzmäßigkeiten erfasst werden kann. Dieser Zusammenhang ist Geheimnis und Herausforderung zugleich. Wie diese Sichtweise in schöpfungsbasierten Modellierungen zum Tragen kommen könnte, ohne simplen Lückenbüßerargumenten Raum zu verschaffen, muss von Fall zu Fall bedacht und diskutiert werden.

Was sagt die Bibel wirklich?

Manchmal wird an uns die Frage gerichtet, ob wir es nicht für möglich halten, dass wir manche Aspekte der Bibel falsch verstehen. Lässt die Bibel nicht doch Raum für Evolution oder wenigstens für große Zeiträume der Erd-, Lebewesen- und Menschheitsgeschichte? Wenn wir betonen, dass Wissenschaft auf dem Holzweg sein kann, könnten wir dann nicht auch in unseren Auslegungen biblischer Texte (Exegese) und in der Herangehensweise an die Texte (Hermeneutik) irren? Ja, wir könnten! Aber wir haben unser Verständnis der einschlägigen biblischen Texte mit vielerlei Argumenten geprüft und begründet. Wir sind bereit, uns auch in exegetischen und hermeneutischen Fragen der Kritik zu stellen. Diese Kritik muss aber konkret sein, sonst kann sie nicht auf hilfreiche Weise weiterführen. Es ist für uns kein gangbarer Weg, die Bibelauslegung und das Bibelverständnis zeitgemäßen Vorstellungen über Evolution und Naturgeschichte anzupassen. Das biblische Wort soll zuerst für sich selbst sprechen dürfen, bevor wir fragen, wie wir es mit unserem wissenschaftlich begründeten Wissen zusammenbringen können. Es gibt für uns keinen Anlass aus der Heiligen Schrift, unseren Kurs zu ändern.

Dabei ist zu bedenken, dass eine evolutionäre Entstehung des Menschen auch eine Entkopplung von Sündenfall und Tod beinhaltet. Der Mensch wäre dann schon durch die Schöpfung wesensmäßig sterblich und auch wesensmäßig Sünder, genauso wie er Geschöpf ist; die Bibel unterscheidet jedoch beides ausdrücklich. Es wäre schwierig, von einem ersten Menschen und einem erstes Menschenpaar zu sprechen; Paulus und Jesus nehmen darauf Bezug, sollten sie sich geirrt haben? Zudem stellt Paulus Adam als Person, durch die Sünde und Tod in die Welt gekommen ist, ausdrücklich Jesus Christus gegenüber, den menschgewordenen Sohn Gottes, der die Sünde des Menschen stellvertretend auf sich genommen und den Tod besiegt hat (Röm 5,12-21). Im Gegensatz dazu ist der Tod unerlässliche Voraussetzung für einen evolutionären Prozess und kann in dieser Perspektive nicht als Gottes Gericht über die Sünde des Menschen gedacht werden. Diesen nur kurz angedeuteten Zusammenhängen könnten weitere angefügt werden. Sie hängen auch mit den Fragen der Zeiträume zusammen, da nach dem biblischen Zeugnis eben erst durch die Sünde der Tod in die Welt kam. Zur weiteren Vertiefung sei auf die im Anhang angegebenen Artikel hingewiesen.

Konsequenzen und Ausblick

Was folgt nun aus dieser Bestandsaufnahme für die Studiengemeinschaft Wort und Wissen? Unser Auftrag und unser Ziel bestehen unverändert fort. Die sich an Paulus’ Einstellung (1 Kor 9,19ff.) orientierende Herausforderung bleibt, im Bereich des Denkens das Evangelium zur Sprache zu bringen. Hierin wollen wir mit den uns anvertrauten Gaben dienen, für einige ist diese Gabe die wissenschaftliche Arbeit. Wenn wir uns mit unserem bescheidenen Potenzial nicht den Herausforderungen stellen, werden andere ihre Lösungen unhinterfragt anbieten, seien es atheistische, theistische oder pantheistische Evolution oder gut gemeinte, aber fachlich zu kurz gegriffene Antworten.

Forschung unter der Perspektive einer tatsächlich geschehenen Schöpfung verfolgt nicht die Aufgabe, Glauben zu begründen (dafür ist Wissenschaft nicht das geeignete Mittel). Vielmehr soll sie Dienerin sein, um die biblisch vorgegebene Einheit von Glauben und Denken zu bezeugen und helfen, Hindernisse auf dem Weg in die Nachfolge Jesu Christi auszuräumen. Dass die Evolutionslehre, beziehungsweise dem Wortlaut der Bibel widersprechende Naturgeschichts-Szenarien solche Hindernisse sein können, hören wir unverändert immer wieder. Die Auseinandersetzung mit Vorstellungen, die im Widerspruch zum biblischen Zeugnis stehen, ist kein Selbstzweck, bei dem es darauf ankommt, möglichst gut „abzuschneiden“, sie soll vielmehr einem wichtigeren Zweck dienen: beizutragen, dass der biblischen Botschaft Gehör verschafft wird. Dazu braucht es mehr denn je qualifizierte wissenschaftliche Arbeit, deren didaktische Umsetzung und Präsentation, sowie Sachlichkeit und intellektuelle Redlichkeit. Dabei werden in den Versuchen einer Zusammenschau von biblischer Lehre und dem vorläufigen, durch Erfahrung gewonnenen Wissen des Menschen aller Voraussicht nach viele und auch grundlegende Fragen offen bleiben. In der weiteren Arbeit wollen wir darauf achten, keine höheren Erwartungen zu wecken, als sie das Wort Gottes verheißt.

Da Forschung aufwendig ist und viel Zeit und Geduld erfordert, benötigen wir mehr haupt- und ehrenamtliche Wissenschaftler. Es wird in der Regel nicht möglich sein, im Eiltempo große Durchbrüche zu erzielen. Wir wollen dankbar sein über kleine Schritte, die Gott uns ermöglicht und es auch aus seiner Hand nehmen, dass vieles brach liegen bleiben muss.

Es ist unser Anliegen, dass Sie – auch als wissenschaftlich Interessierte – in die Diskussion, unser Ringen und unser Beten im Spannungsfeld von biblischem Glauben und den Erkenntnissen der Wissenschaft mit einbezogen werden.

Der Leitungskreis sowie einige wissenschaftlich arbeitende Mitglieder der Studiengemeinschaft Wort und Wissen

Anhang: Zur biblischen Begründung der Position von Wort und Wissen