Neue frühpliozäne Steinwerkzeugfunde aus Rheinhessen und Niederösterreich
Titelbild: Pliozäner Schotter von Gutenberg mit Artefakten in situ (rote Pfeile). (Aus Humburg et al. 2026, mit freundlicher Genehmigung)
Zusammenfassung
In Kiesgruben in Rheinhessen wurden seit den 1980er-Jahren zahlreiche Artefakte aus Quarzit entdeckt. Die überwiegend in situ geborgenen Artefakte stammen aus einer frühpliozänen Schicht (mittleres Zancleum) mit einem Alter von ca. 4,3–4,6 Millionen radiometrischen Jahren (MrJ) (Humburg et al. 2026). Die geologischen Umstände und die große Anzahl der Funde mit typischen Artefaktmerkmalen sprechen eindeutig für ein Werkzeuginventar. Mit der bipolaren Amboss-Technik wurden Trümmerstücke bzw. Splitter aus Quarzitgeröllen als Rohlinge hergestellt. Die Rohlinge wurden anschließend mit Abhieben und Retuschen gestaltet. Das Werkzeuginventar beinhaltet einfache Pics, einfache Handäxte, Messer, Schaber, Chopper, Chopping-tools, Polyeder und Kerne. Technologisch steht das frühpliozäne Werkzeuginventar den Artefaktinventaren des entwickelten Oldowan nahe.
Humburg et al. (2026) lehnen Homo erectus als Verursacher der Artefakte ab und schlagen stattdessen Nachfahren von miozänen Dryopithecinen („späte Pithecinen“) als Werkzeugmacher vor. Diese „späten Pithecinen“ sind als Hersteller des Werkzeuginventars aber völlig unplausibel, denn bei heute lebenden Affen wurde in freier Wildbahn noch nie eine Steinspaltung zur Werkzeuggewinnung, geschweige denn die Bearbeitung eines Steinstückes beobachtet. Homo erectus oder ein unbekannter früher echter Mensch war höchstwahrscheinlich Hersteller der frühpliozänen Werkzeuge. Humburg et al. (2026) akzeptieren nicht nur pliozäne, sondern auch obermiozäne Steinwerkzeuge als echte Artefakte, da sie es für möglich halten, dass auch diese von „späten Pithecinen“ hergestellt wurden. Damit eröffnen die Autoren die als überwunden geglaubte alte Eolithendebatte. Die Existenz frühpliozäner Werkzeuge in Rheinhessen stellt die derzeitigen evolutionären Theorien zum Ursprung des Menschen in Frage. Noch ältere, völlig eindeutige Artefaktinventare aus dem unteren Miozän (20–23 MrJ), oberen Oligozän (23–27 MrJ) und oberen Paläozän (56–59 MrJ) diskutieren Humburg et al. (2026) jedoch nicht. Dies hat wahrscheinlich seine Ursache darin, dass sie diesen Inventaren keine plausiblen Hersteller in einem evolutionstheoretischen Kontext zuordnen können. Diese Werkzeuge sprengen alle derzeitigen evolutionären Abstammungstheorien des Menschen und stellen die konventionellen langen Zeiträume in Frage (Brandt 2019).
Abstract in English (via deepL):
New Early Pliocene Stone Tool Finds from Rheinhessen and Lower Austria
Since the 1980s, numerous artifacts made of quartzite have been discovered in gravel pits in Rheinhessen. The artifacts, most of which were recovered in situ, originate from an Early Pliocene layer (Middle Zancleum) dating to approximately 4.3–4.6 million radiometric years (MrJ) (Humburg et al. 2026). The geological context and the large number of finds exhibiting typical artifact characteristics clearly indicate a tool assemblage. Using the bipolar anvil technique, fragments and splinters from quartzite boulders were fashioned into blanks. The blanks were then shaped through flaking and retouching. The tool assemblage includes simple picks, simple hand axes, knives, scrapers, choppers, chopping tools, polyhedra, and cores. Technologically, the Early Pliocene tool assemblage is similar to the artifact assemblages of the developed Oldowan.
Humburg et al. (2026) reject Homo erectus as the creator of the artifacts and instead propose descendants of Miocene Dryopithecines (“late pithecines”) as the toolmakers. However, these “late pithecines” are completely implausible as the makers of the tool assemblage, since stone splitting for tool production—let alone the working of a stone—has never been observed in the wild among living apes. Homo erectus or an unknown early true human was most likely the maker of the Early Pliocene tools. Humburg et al. (2026) accept not only Pliocene but also Upper Miocene stone tools as genuine artifacts, since they consider it possible that these, too, were produced by “late pithecines.” In doing so, the authors reopen the old Eolithic debate, which was believed to have been settled. The existence of Early Pliocene tools in Rheinhessen calls into question current evolutionary theories regarding human origins. However, Humburg et al. (2026) do not discuss even older, completely unambiguous artifact inventories from the Lower Miocene (20–23 Ma), Upper Oligocene (23–27 Ma), and Upper Paleocene (56–59 Ma). This is likely because they cannot assign plausible makers to these inventories within an evolutionary theoretical context. These tools defy all current evolutionary theories of human descent and call into question the conventional long timeframes (Brandt 2019).
Inhalt
Einleitung
Geologische Fundsituation
Die frühpliozänen Werkzeuge und ihre Merkmale
3.1 Allgemeine Betrachtungen
3.2 Funde aus Rheinhessen und Niederösterreich
3.3 Herstellungstechnik und Artefaktmerkmale
3.4 Technologische Einordnung des Werkzeuginventars
Wer waren die Werkzeughersteller?
4.1 Fähigkeiten der Werkzeughersteller von Gutenberg
4.2 Menschenaffenähnliche vormenschliche Wesen nach Humburg et al. (2026).
4.3 Echte Menschen als Werkzeughersteller plausibler
4.4 Fehlende fossile Überlieferung der Werkzeugmacher – Argument gegen ihre Existenz?
Eolithendiskussion wieder aktuell
Warum kommen Menschenfossilien nur in den obersten geologischen Schichten vor?
6.1 Große Lücken im Fossilbericht
6.2 Geologisch nicht überlieferte Lebensräume
6.3 Katastrophisch und ökologisch bedingter Wechsel von Lebewesen-Großgemeinschaften
6.4 Hypothetischer Weg des Menschen aus nicht überlieferten Lebensräumen
6.5 Wenige Fundstellen vor dem späten Miozän erwartbar
6.6 Forschungsdefizit durch evolutionären Denkrahmen
Zusammenfassung und Schlussfolgerungen
Anhang: Warum lehnten Zeitschriften mit Gutachterverfahren
die außergewöhnliche Forschungsarbeit ab?
Gutachterprozess von Humanities
Gutachterprozess von
Resümee
Danksagung
Literatur