„Junge oder Mädchen? Warum es mehr als zwei Geschlechter gibt“ – Ein Lehrstück postmoderner Umdeutung von Wirklichkeit
Einleitung:
„Junge oder Mädchen? Warum es mehr als zwei Geschlechter gibt.“1 In der medialen Öffentlichkeit ist der Themenbereich „Sexuelle Vielfalt“ nahezu allgegenwärtig. Da ist von sexueller Orientierung oder von sexuellen Identitäten die Rede, wird über gendergerechte Sprache oder Unisex-Toiletten gestritten. Bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass diese Stichworte meist nur oberflächlich behandelt werden.
Um vorhandene Wissenslücken zu füllen, greift der vorliegende Beitrag gezielt das Stichwort Geschlechtervielfalt heraus und geht genauer auf den Themenbereich Intersexualität ein. Nach der Erarbeitung von historischen und biologisch-medizinischen Zugängen ergibt sich ein Widerspruch: Das Bild, welches in der breiten Öffentlichkeit über die Vielfalt der Geschlechter und die Intersexualität vermittelt wird, steht in völligem Gegensatz zu den wissenschaftlich abgesicherten Erkenntnissen.
Als Ursache für diese Diskrepanz werden die geistesgeschichtlichen Entwicklungen ausgemacht, welche die aktuelle Epoche der Postmoderne charakterisieren. Das postmoderne Denken ist gegen traditionelle Ansichten und Wertvorstellungen gerichtet und beansprucht dabei die Meinungsführerschaft in der Gesellschaft. Deshalb gehen deren Vertreter ganz folgerichtig vehement gegen Kritiker und Andersdenkende vor. Im Eifer für die eigene Sache werden einerseits wissenschaftliche Fakten verzerrt oder ganz ignoriert und andererseits sogar Verfassungsgüter wie die Meinungs- oder Religionsfreiheit gefährdet.
In Bezug auf die Intersexualität ergibt sich ein zweigeteilter Befund. Zunächst einmal handelt es sich nicht um ein drittes Geschlecht, sondern unter dem Begriff werden vielerlei Abweichungen von der biologisch normalen Geschlechtsentwicklung zusammengefasst, die ein recht komplexes hormonelles Störungsbild beschreiben. Dann ist, zweitens, im gesellschaftlichen Umgang mit dem Phänomen dringend eine ethische Aufarbeitung vonnöten, welche die betroffenen Personen ernst nimmt. Denn die wissenschaftlichen Fakten können weder bestehende Diskriminierungen oder Verurteilungen rechtfertigen noch einfach ignoriert werden.
1 So lautete der Titel einer Sendung des WDR-Wissenschaftsmagazins Quarks vom April 2018.
Abstract in English (via DeepL): “Boy or girl? Why there are more than two genders” – A lesson in postmodern reinterpretation of reality
“Boy or girl? Why there are more than two genders.” 1 The topic of “sexual diversity” is almost omnipresent in the media. There is talk of sexual orientation and sexual identities, and debates about gender-neutral language and unisex toilets. On closer inspection, it becomes apparent that these topics are usually only dealt with superficially.
In order to fill existing gaps in knowledge, this article focuses specifically on the topic of gender diversity and takes a closer look at the subject of intersexuality. After examining historical and biological-medical approaches, a contradiction emerges: the image conveyed to the general public about gender diversity and intersexuality is completely at odds with scientifically proven findings.
The cause of this discrepancy is identified as the intellectual developments that characterize the current postmodern era. Postmodern thinking is directed against traditional views and values and claims to be the opinion leader in society. Consequently, its representatives vehemently oppose critics and those who think differently. In their zeal for their own cause, they distort or completely ignore scientific facts on the one hand, and on the other hand even jeopardize constitutional rights such as freedom of expression and religion.
With regard to intersexuality, the findings are divided. First of all, it is not a third gender, but rather a term that encompasses a wide range of deviations from normal biological sex development, describing a rather complex hormonal disorder. Secondly, there is an urgent need for an ethical reappraisal of how society deals with the phenomenon, one that takes the people affected seriously. After all, the scientific facts can neither justify existing discrimination or condemnation nor be simply ignored.
1 This was the title of an episode of the WDR science magazine Quarks in April 2018.