Entmythologisierung für Evangelikale: Haben Adam und Eva wirklich nicht gelebt? – Anmerkungen zu einem Text von Siegfried Zimmer
Zusammenfassung
Die ersten Kapitel der Bibel wollen nicht über die zeitlichen Anfänge der Menschheit berichten, sondern den tiefsten Grund des menschlichen Daseins erklären. Adam und Eva seien entsprechend nicht als bestimmte Personen zu verstehen. Der Theologieprofessor Siegfried Zimmer (ehemals PH Ludwigsburg) begründet diese Auffassung damit, dass es in der Antike kaum ein historisches Interesse gegeben habe, weiterhin dass die biblischen Begriffe für „Anfang“ nicht zeitlich, sondern im Sinne von „grundsätzlich“ gemeint seien, und schließlich mit verschiedenen Beobachtungen an den Texten von Genesis 1-5. Außerdem würde ein historisches Verständnis von Genesis 2 und 3 zahlreiche Unstimmigkeiten beinhalten und sei daher auszuschließen.
Demgegenüber wird in diesem Artikel zunächst darauf hingewiesen, dass es in der Antike sehr wohl ein Interesse an der Historie gab, erst recht bei den Verfassern der alttestamentlichen Bücher. Im Weiteren wird anhand zahlreicher Beispiele gezeigt, dass in den Texten, in denen es um den „Anfang“ geht, der zeitliche Aspekt wichtig ist und dass die für einen „Anfang“ verwendeten Begriffe in den biblischen Sprachen ausdrücklich und in erster Linie den zeitlichen Aspekt beinhalten. Das Wort „Adam“ wird im Alten Testament zwar mehrheitlich im Sinne von „Menschheit“ gebraucht, kann aber in 1. Mose 1-5 an mehreren Stellen nur im individuellen Sinne verstanden werden, und in diesem Sinne wird „Adam“ auch an prominenten Stellen des Neuen Testaments als erster Mensch verstanden. Schließlich wird gezeigt, dass der Verlust der biblischen Aussagen über einen zeitlichen Beginn und über historische Veränderungen zu einem Verlust des Verständnisses des Menschen als Geschöpf und erlösungsbedürftigen Sünder führen. Es geht also nicht darum, die biblischen Texte über die Anfänge auf historische Aspekte einzuschränken. Vielmehr werden viele wichtige Aspekte der Gegenwart und des Soseins des Menschen erst von der Geschichte her verständlich.
Summary (via DeepL)
The first chapters of the Bible do not seek to recount the chronological beginnings of humanity, but rather to explain the deepest reason for human existence. Accordingly, Adam and Eve should not be understood as specific individuals. Theology professor Siegfried Zimmer (formerly of the Ludwigsburg University of Education) justifies this view by pointing out that there was hardly any historical interest in antiquity, that the biblical terms for “beginning” are not meant in a temporal sense but rather in the sense of “fundamental,” and finally, by citing various observations on the texts of Genesis 1–5. Furthermore, a historical understanding of Genesis 2 and 3 would contain numerous inconsistencies and must therefore be ruled out.
In contrast, this article first points out that there was indeed an interest in history in antiquity, especially among the authors of the Old Testament books. Furthermore, numerous examples are used to demonstrate that in the texts dealing with the “beginning,” the temporal aspect is important, and that the terms used for a “beginning” in the biblical languages explicitly and primarily convey the temporal aspect. Although the word “Adam” is used in the Old Testament primarily in the sense of “humanity,” in several passages of Genesis 1–5 it can only be understood in an individual sense, and in this sense “Adam” is also understood in prominent passages of the New Testament as the first human being. Finally, it is shown that the loss of the biblical statements regarding a temporal beginning and historical changes leads to a loss of understanding of human beings as creatures and as sinners in need of redemption. It is therefore not a matter of restricting the biblical texts about the beginnings to historical aspects. Rather, many important aspects of the present and of human existence can only be understood in light of history.