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Testfall für die Glaubwürdigkeit der Heiligen Schrift: Die biblische Urgeschichte


Artikel als PDF-Datei (19 Seiten, 574 KB, Stand: 01.08.2025)

Inhalt

Problemstellung

Biblische Urgeschichte

Die biblische Urgeschichte – wirkliche Geschichte

Der kurze Zeitrahmen der Urgeschichte: Nur einige Jahrtausende

Fazit

Bezugnahmen im NT auf Ereignisse der biblischen Urgeschichte

Jesu Aussagen über das erste Menschenpaar

Jesus Christus im Zentrum: Christologie und Soteriologie

Das Seufzen der Schöpfung

Der Ursprung des Menschen in einem evolutiven Szenario

Sünde als Begleiterscheinung eines evolutiven Werdeprozesses

Fazit: Die Bedeutung der biblischen Urgeschichte für die Anthropologie und Soteriologie

Historisches Verständnis und existenzielle Bedeutung

Biblische Urgeschichte und Naturwissenschaft

Schöpfungsindizien

Das erste Menschenpaar

Erdgeschichte

Vom Umgang mit ungelösten Fragen

Fazit
Literatur

 

Problemstellung

Etwa 2/3 der Bibel sind Texte zur Geschichte, sowohl im Alten als auch im Neuen Testament. Es wird darüber berichtet, wie Gott an bestimmten Orten und zu bestimmten Zeiten mit einzelnen Menschen, mit dem Volk Israel oder mit der ganzen Menschheit gehandelt hat. Sowohl am Anfang (1Mose 1–11, sog. biblische Urgeschichte) als auch am Ende (Buch Offenbarung, Endzeitreden Jesu) sind die gesamte Menschheit und die Erde als Ganzes im Blick. Dazwischen verengt sich der Fokus weitgehend auf das Volk Israel, auf das Kommen und Wirken des Gottessohnes und die ersten Schritte der Gemeinde Jesu.

Es ist ein besonderes Kennzeichen der biblischen Offenbarung, dass das, was über Gott berichtet wird, angefangen mit der Schöpfung, mit Ereignissen gekoppelt ist, die in der Geschichte der Menschheit passiert sind – derselben Geschichte, die Historiker, Archäologen und Naturwissenschaftler erforschen. Daraus folgt: Es gibt ein gemeinsames Feld, auf dem Bibel und Wissenschaften verschiedener Disziplinen „spielen“. Auch wenn die biblischen Autoren natürlich nicht in erster Linie Aussagen in wissenschaftlicher Form treffen, berichten sie doch über Geschehnisse, die sich tatsächlich zugetragen und daher Spuren hinterlassen haben (oder hinterlassen haben könnten), die man mit wissenschaftlichen Methoden suchen und ggf. untersuchen kann: Historiker untersuchen schriftliche Quellen, Archäologen Artefakte, Astronomen Sterne und Planeten, Geowissenschaftler Gesteine und Biologen die Lebewesen.

Die biblischen Schilderungen können daher mit historischen und naturkundlichen Daten abgeglichen werden können. Sie sind nachprüfbar, aber damit auch angreifbar. Die Nachprüfbarkeit war den biblischen Autoren wichtig; sie legten Wert auf die Feststellung, dass sich die Dinge wirklich so zugetragen haben, wie sie es berichten (Lk 1,1–4; 1Kor 15,3–6), oder stellten fest, dass sie nicht „klugen Fabeln gefolgt“ sind (2Petr 1,16). Sie machen genaue Zeit- und Ortsangaben. Beim bibelbasierten Glauben geht es nicht um menschliche Erfahrungen, die subjektiv und nicht weiter überprüfbar sind. Es gibt eine überprüfbare Seite des christlichen Glaubens, auch wenn christlicher Glaube natürlich entscheidend mehr ist als das Für-Wahr-Halten von Tatsachen. Darin liegt eine Stärke des christlichen Glaubens: Er fußt auf nachprüfbaren Tatsachen.

Auf der anderen Seite kann der christliche Glaube aufgrund dieser Verzahnung angegriffen und als unglaubwürdig oder gar als widerlegt hingestellt werden. Das wurde und wird auch reichlich gemacht. Wer kennt nicht die Behauptungen, dass die Evolutionslehre einen Schöpfer überflüssig gemacht habe, dass die Sintflut geologisch nicht nachweisbar oder sogar unmöglich sei, dass die Archäologie keine Spuren von den Erzvätern entdeckt habe, dass Jericho in Wirklichkeit nie unter dem Posaunenschall gefallen sei oder dass die Schilderungen über Salomos Reichtum reichlich übertrieben seien und vieles andere.

Biblische Urgeschichte

Insbesondere die biblische Urgeschichte, die in 1Mose 1–11 geschildert wird, wird als tatsächlich geschehene Ereignisse in Frage gestellt. Tatsächlich kann die Bedeutung dieses Anfangsteil der Bibel kaum überschätzt werden, geht es doch um nichts Geringeres als um eine Art „Grundgesetz“ der Menschheit. Hier wird erklärt, weshalb die Welt, in der wir leben, so ist, wie sie ist. Sie ist von Gott geschaffen, der Mensch als Mann und Frau zum Bilde Gottes, aber infolge der Sünde des Menschen ist die ganze Erde „verdorben“ und durch Tod und Leid gezeichnet; durch ein göttliches Gericht über die überbordende Bosheit der Menschen – die Sintflut – wurde die ganze Erde ein zweites Mal in Mitleidenschaft gezogen. Wir leben in der Zeit post laspum und post diluvium. Hier geht es um sehr Grundsätzliches über das Wesen Gottes und die Befindlichkeit und Situation des Menschen. Es ist nicht überraschend, dass gerade diese Anfangsgeschichte massiv in Frage gestellt und nicht selten lächerlich gemacht wird. Das aber hat schwerwiegende Folgen für das Selbstverständnis des Menschen.

Mit dem Siegeszug der Abstammungslehre im Gefolge von Charles Darwins epochemachendem Werk „Über die Entstehung der Arten“ (1859) schien ein souverän durch sein Wort erschaffender Schöpfer überflüssig geworden zu sein. Dazu gesellten sich Entwicklungen in den Geowissenschaften: Die Geschichte der Erde wurde zunehmend als eine Geschichte immenser Zeiträume interpretiert, in denen geologische Prozesse in der Regel langsam und nicht durch große Katastrophen verlaufen. Für eine Sintflut war nur noch Platz als ein Lokalereignis im Nahen Osten, nicht als weltumspannendes göttliches Gericht.

In der zeitgenössischen Theologie wird schon lange davon ausgegangen, dass die biblische Urgeschichte keine wirklichen Ereignisse zum Inhalt hat, und es wird in Frage gestellt, dass die biblischen Texte überhaupt ein historisches Interesse hätten. Die biblische Urgeschichte erzähle nicht, was einmal geschah, sondern was immer der Fall sei. Ein Konflikt mit wissenschaftlichen Theorien sei daher gar nicht gegeben.

Im Folgenden soll zunächst gezeigt werden, dass die Begründung für eine solche Auffassung nicht den biblischen Texten entnommen werden kann. Vielmehr passt die Vorstellung (direkte Schöpfung durch das Wort Gottes, ein fundamentaler Bruch in der Menschheitsgeschichte, globale Sintflut) nicht in gegenwärtig herrschende weltanschauliche Vorstellungen. Nach dem Selbstzeugnis der Heiligen Schrift wollen die ersten elf Kapitel jedoch tatsächliche Geschehnisse schildern (Kapitel 2). Dies wird unterstützt durch die Art und Weise, wie und in welchen Zusammenhängen die Autoren des Neuen Testaments darauf Bezug nehmen. Dies ist Thema des dritten Kapitels.

Anschließend wechseln wir ins Feld der Naturwissenschaft und widmen uns der Frage, inwiefern naturwissenschaftliche Ergebnisse die Historizität der biblischen Urgeschichte unterstützen und wo es offene Fragen und Schwierigkeiten gibt (Kapitel 4).

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