Die Einzigartigkeit des menschlichen Kehlkopfes
Handelt es sich bei der menschlichen Stimme lediglich um eine „Einnistung“ in bereits bei Primaten vorhandene Anatomie, die evolutionär einfach und unproblematisch zu erklären ist – oder existieren deutliche Hinweise auf ein einzigartiges, komplexes und geniales Schöpfungsdesign der an der menschlichen Stimme beteiligten Komponenten?
Ist die menschliche Stimme nur eine kulturelle Errungenschaft, die sich evolutionär in eine bereits bei Primaten bestehende Anatomie „eingenistet“ hat oder trägt der anatomische Bauplan einzigartige Merkmale in sich, die auf gezielte Planung einer vielseitigen und differenzierten Stimmfunktion hinweisen? Sind die anatomischen und physiologischen Eigenschaften der Stimmfunktion, welche die Grundlage für Sprache und Gesang bieten, ein den Menschen abgrenzendes Merkmal oder sind sie unerheblich? Letzteres würde die Rekonstruktion im Sinne der Phylogenese (Stammesgeschichte) deutlich erleichtern. Es stellt sich somit die Frage, ob es – entgegen der verbreiteten Meinung heutiger Evolutionsbiologen – neben allgemein anerkannten neurologischen Merkmalen auch wesentliche anatomische Merkmale gibt, die einen relevanten Unterschied zwischen Mensch und Primaten ausmachen.
Unbestritten liegt zwischen den Kommunikationsweisen von Tieren und Menschen der markante Unterschied in der Ausprägung der Sprachfähigkeit, da der Mensch Gedanken, Gefühle sowie komplexe Sachverhalte auf eine differenzierte Weise mitteilen kann. Das menschliche Stimmsystem ist im Gesamtsystem des menschlichen Wesens bestens vernetzt. Stimmeinsatz ist nur möglich durch Interaktion komplexer Körpersysteme. Die an der Stimme beteiligten Systeme verfügen jeweils über eigene, interne Funktionen, interagieren andererseits aber auch als Teil des Stimmsystems. Als Teilsystem der Stimme ordnen sie sich als ein Element in der Stimmerzeugung der gemeinsamen Funktion verbaler Kommunikation unter. Neben der mentalen Fähigkeit, komplexe Informationen zu durchdenken, wird für die vielfältigen Lautbildungen der menschlichen Sprachen ein anatomisches und neuronales System benötigt, das auf organischer Ebene die differenzierten Laute erzeugen kann. Das Gehirn, die Sinnes-Systeme und das Stimmsystem sind drei Teilbereiche, die in der Stimm- und Sprachfunktion in einer feinaustarierten Wechselbeziehung zueinander stehen. Menschliche Kommunikation ist nur im Trio von Wahrnehmen, Denken und Senden umfänglich gewährleistet. Auffallend ist, in welch hohem Maß sich im Stimmsystem Funktionalität, Variationsvielfalt und Ästhetik vereinen – auch wenn letzteres natürlich subjektiv ist. Auf vielfältige Weise kommen „Multitoolsysteme“ zum Einsatz, deren evolutionäre und rein zufällige Entstehung nach aktuellem Wissensstand nicht nachvollziehbar erscheint. Sowohl die internen Details als auch die Schnittstellen müssen gut durchdacht und funktional sein.
Abstract in English (via DeepL): The uniqueness of the human larynx
Is the human voice merely a cultural achievement that has “nestled” itself evolutionarily into an anatomy that already existed in primates, or does the anatomical blueprint contain unique features that point to the deliberate planning of a versatile and differentiated vocal function? Are the anatomical and physiological characteristics of the vocal function, which provide the basis for speech and singing, a distinguishing feature of humans, or are they insignificant? The latter would greatly facilitate reconstruction in terms of phylogeny (evolutionary history). This raises the question of whether, contrary to the widespread opinion of today’s evolutionary biologists, there are essential anatomical features, in addition to generally accepted neurological features, that make a relevant difference between humans and primates.
There is no doubt that there is a striking difference between the communication methods of animals and humans in terms of the development of language skills, as humans are able to communicate thoughts, feelings, and complex issues in a differentiated manner. The human vocal system is optimally networked within the overall system of the human being. The use of the voice is only possible through the interaction of complex bodily systems. The systems involved in the voice each have their own internal functions, but also interact as part of the vocal system. As a subsystem of the voice, they are subordinate to the common function of verbal communication as an element in voice production. In addition to the mental ability to think through complex information, the diverse sound formations of human languages require an anatomical and neural system that can produce differentiated sounds at the organic level. The brain, the sensory systems, and the vocal system are three sub-areas that are finely balanced in their interrelationship with each other in voice and speech function. Human communication is only fully guaranteed in the trio of perception, thought, and transmission. It is striking to what extent functionality, diversity of variation, and aesthetics are combined in the vocal system—even if the latter is, of course, subjective. Multitool systems are used in a variety of ways, whose evolutionary and purely random origins do not appear to be comprehensible based on current knowledge. Both the internal details and the interfaces must be well thought out and functional.
Inhalt
1. Einleitung
2. Der Kehlkopf von Mensch und Tieren im Vergleich
Das Doppelventil im Kehlkopf für Atmung und Lautäußerung
Ein „Multitool- System“
Unterschiede zwischen dem Atem- und Kehlkopfsystem von Vögeln, Säugern und Menschen
3. Die Diskussion um den gesenkten Kehlkopf
Kehlkopfabsenkung und Vokaltrakt
Weitere Unterschiede in der Anatomie
4. Der Zusammenhang von Gewebe und Klang
Der menschliche Kehlkopf
Die Stimmlippen
Die Lamina propria der Stimmlippe
Die komplexe Struktur des Stimmklangs
Was das komplexe Stimmsystem empfindlich stören kann
5. Die Vielseitigkeit des Systems und die Anbindung an das Gehirn
6. Laute von Affen und Menschen im Vergleich
7. Schlussfolgerungen
8. Literatur
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