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Homininen-Schädel: „Stolpersteine“ des Grundtypmodells? Eine schöpfungstheoretische Deutung der Funde von Dmanisi.


Artikel als PDF-Datei (39 Seiten, 4158 KB, Stand: 14.07.22)

Die Schädel von Homo erectus aus Georgien und von „Homohabilis aus Afrika gelten als mögliche Übergangsformen in der Evolution des Menschen. Damit könnten sie dem Grundtypmodell widersprechen, wonach Menschen und nichtmenschliche Homininen keine gemeinsamen Abstammungsbeziehungen aufweisen. Anhand neuerer Studien geht Benjamin Scholl auf ca. 20 Seiten Text und mit einem unfangreichen Anhang der Frage nach, ob diese Formen aus Grundtyp-Perspektive tatsächlich problematische „Stolpersteine“ darstellen.

Zusammenfassung

Schädel früher Homininen werden immer wieder als Evolutionsbelege einer mutmaßlichen Abstammung des Menschen aus affenähnlichen Vorfahren angeführt – wie zum Beispiel die kleinen Schädel von Homo erectus ergaster georgicus aus Dmanisi. Schroeder et al. (2017) verglichen anhand von Messpunkten verschiedene Flächen auf den Schädeln bei diesen und anderen Homininen. Ihre Ergebnisse lassen sich entgegen der Vorstellung, dass Homininen-Schädel „Stolpersteine des Grundtypmodells“ darstellen könnten, überraschend gut im Rahmen separat erschaffener Grundtypen von echten Menschen einerseits und großaffenähnlichen Australomorphen andererseits deuten. Außerdem widersetzt sich die enorme innerartliche Variabilität* der Homininen-Schädel ganz allgemein einer widerspruchsfreien Stammbaumrekonstruktion.

In der Fachliteratur finden sich viele weitere Argumente, die zur Grundtyp-Perspektive passen und verdeutlichen, dass die Homininen-Fossilien insgesamt (vgl. Wood & Boyle 2016), die Schädel und auch das Körperskelett (vgl. Lordkipanidze et al. 2007) prinzipiell eine Unterscheidung der Grundtypen der Australomorphen (inklusive des sogenannten „Homo habilis) und der echten Menschen ermöglichen. Besonders beachtenswert sind außerdem die kognitiven und technischen Fähigkeiten der Menschen von Dmanisi vor 1,77 bis 1,85 MrJ (Millionen radiometrischen Jahren) in der Werkzeugherstellung (Baena et al. 2010; Ferring et al. 2011). Diese Funde belegen zusammen mit Acheuléen-Funden aus Afrika (Semaw et al. 2020), dass ein kleines Gehirn bei den Menschen von Dmanisi kein Argument für eine nichtmenschliche Intelligenz darstellt. Alles in allem kann man daher Homo erectus aus Dmanisi mit guten Argumenten aus Grundtyp-Perspektive als echten Menschen deuten.

Inhalt

1. Einleitung
2. Das Grundtypmodell der Homininen nach Brandt (2017)
3. Die Schädelflächenvergleiche nach Schroeder et al. (2017)
3.1 Die Methode der Schädelflächenvergleiche
3.2 Die Schädelvergleiche nach einzelnen Fossilien
3.3 Die Ergebnisse der Schädelanalysen auf Artniveau
3.4 Diskussion der Schädelvergleiche
4. Wie menschlich war Homo erectus aus Dmanisi?
4.1 Wie menschenähnlich waren die fünf Schädel aus Dmanisi?
4.2 Waren die Schädel von Dmanisi außergewöhnlich klein?
4.3 Wie menschlich war das Körperskelett aus Dmanisi?
4.4 Welche menschlichen Fähigkeiten legen die Steinwerkzeuge aus Dmanisi nahe?
4.5 Parallelen zwischen Homo erectus aus Dmanisi und Afrika belegen hohe kognitive Fähigkeiten trotz kleiner Schädel
4.6 Exkurs: Wie menschlich war „Homo“ habilis?
5. Fazit
Glossar
Anhang
Literatur