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Die Frage der Literaturgattung und der Historizität von Genesis 1-3 (Teil 1)


Artikel als PDF-Datei (21 Seiten, 204 KB, Stand: 13.04.2007)

Der Artikel wurde in ähnlicher Form im Buch »Genesis, Schöpfung und Evolution« veröffentlicht.

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Niemand kann der Frage nach unserem Wissen über die Anfänge der Welt ausweichen. Wie war der Anfang der Welt, der Anfang des Lebens, der Anfang der Menschheit? Die Antworten, die uns durch Religionen, Philosophien und Naturwissenschaften angeboten werden, sind sehr vielfältig. Für zahlreiche Menschen liegt in diesen widersprüchlichen Auskünften ein Grund zum Skeptizismus. Diese Position ist aber unbefriedigend, weil die uns umgebende Natur und wir selbst konkret da sind, und so geht die Suche weiter. Man kann zwar anders votieren, aber es ist plausibel, dass es einen konkrekten Anfang gegeben haben muss. Genesis 1-3 erhebt den Anspruch, die Antwort Gottes auf diese Fragen zu sein. Die ersten Kapitel der Bibel stellen Gottes Zeugnis und das Zeugnis der ersten Menschen über den Anfang darstellt. Wir nehmen dieses Zeugnis Ernst.

Über Genesis 1-3 ist während vieler Jahrhunderte nachgedacht und geschrieben worden. Einerseits wurden wertvolle Beobachtungen am Text gemacht, andererseits wurde aber auch sehr viel spekuliert, ja sogar phantasiert. Was das Verständnis dieses Textes angeht, gibt es weit auseinander gehende Auffassungen und Ideen. Für manche Menschen sind die große Zahl sich oft widersprechender Interpretationen wiederum ein Grund zum Skeptizismus. Aber das ist auch hier nicht die angemessene Reaktion. Denn der Verfasser hat mit dem Text bestimmte Aussagen machen wollen, und die gilt es zu ermitteln. Genesis 1-3 ist also zunächst ein Stück Literatur mit einem Inhalt. Der Abschnitt will mit dem Leser kommunizieren, will eine Botschaft darbieten. Der Verfasser hatte eine klare Vorstellung von dem, was er präsentierte. Er will, dass seine Botschaft so verstanden wird, wie er sie gemeint hat. Diesen Sinn herauszuarbeiten und darzustellen ist das Ziel dieser beiden Artikel. Was können wir erfahren, wenn wir Genesis 1-3 als Literatur untersuchen, die einen konkreten Inhalt hat? Welcher Textsorte (Gattung) gehört dieser Text an? Weil dies ermittelt werden soll, steht auch das Wort „Literaturgattung“ im Titel der beiden Artikel. Der zweite Begriff in der Überschrift ist „Historizität“. Genesis 1-3 gibt Zeugnis über den Anfang der Welt, der Erde und der Geschichte der Menschheit. Dabei werden Ausdrücke wie erster Tag, zweiter Tag, … siebter Tag verwendet. Dadurch entsteht offenkundig der Eindruck einer chronologischen Abfolge. Ist dieser Eindruck zutreffend? Das wird von manchen Auslegern verneint. Aber mit welcher Begründung wird dieses Verständnis abgelehnt? Was meint der Verfasser von Gen 1-3 tatsächlich?

Der Autor dieser Artikel ist der Methode der wissenschaftlichen Exegese verpflichtet. Die Geschichte des Textverständnisses (Hermeneutik) hat gezeigt, dass philosophische bzw. hermeneutische (Vor)Urteile zahlreiche Interpretationsraster über Genesis 1-3 gelegt haben, wodurch der Inhalt eher verdunkelt als erhellt wird. Auch der heutige Autor steht in der Gefahr, ähnlichen Fehlern zu verfallen. Die große Kunst besteht darin, zu beobachten und versuchen zu verstehen, was das Zeugnis des Textes sagt. Das ist sehr schwierig für Menschen der postmodernen Zeit, die zusätzlich von der Aufklärung und der Moderne geprägt sind. Können und wollen wir über unseren eigenen Schatten springen? Der heutige Exeget ist der Überzeugung, dass er beim Verständnis dieses Textes fortwährende und ehrliche Anstrengungen unternommen hat. Es ist eine Herausforderung, Genesis 1-3 so verstehen zu wollen, wie es verstanden werden will. Wir erhalten aber damit die Chance, das Wirken des Schöpfers so zu erkennen, wie er erkannt werden will. Denn sein Zeugnis ist dem Menschen gegeben. Indem Gott ihm dieses Zeugnis zur Niederschrift anvertraute, ist es gleichzeitig auch Menschenzeugnis. Seit langem gehören diese Kapitel zur Weltliteratur.

Der erste Artikel behandelt den Schöpfungsbericht (Gen 1,1-2,3) unter der Überschrift Wie geschah die Schöpfung? Der zweite Artikel widmet sich dem Bericht vom Garten Eden (Gen 2,4-3,24) mit der Frage Was geschah im Garten Eden? Beide Berichte sind miteinander verbunden. Zugleich sind sie aber auch unterschiedlich, und deshalb sind auch die Fragen verschieden, die sich dadurch stellen. Die Einleitung zu Beginn des ersten Artikels bezieht sich auf beide Teile. Der Abschluss des zweiten Artikels fasst beide Teile zusammen. So bleibt die Einheit beider Artikel gewahrt. Viele ältere und neuere Interpretationsvorschläge zum Verständnis von Genesis 1-3 werden in diesen Artikeln diskutiert und bewertet.

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Summary (via DeepL)

No one can avoid the question of what we know about the origins of the world. What was the beginning of the world, the beginning of life, the beginning of humanity? The answers offered to us by religions, philosophies, and the natural sciences are very diverse. For many people, these contradictory accounts are a cause for skepticism. However, this position is unsatisfactory because the natural world around us—and we ourselves—are tangibly present, and so the search continues. While one may hold a different view, it is plausible that there must have been a concrete beginning. Genesis 1–3 claims to be God’s answer to these questions. The first chapters of the Bible present God’s testimony and the testimony of the first humans regarding the beginning. We take this testimony seriously.

People have reflected on and written about Genesis 1–3 for many centuries. On the one hand, valuable observations have been made about the text; on the other hand, however, there has also been a great deal of speculation—even fantasy. When it comes to understanding this text, there are widely divergent views and ideas. For some people, the large number of often contradictory interpretations is, in turn, a reason for skepticism. But that is not the appropriate reaction here either. For the author intended to make specific statements with the text, and these must be determined. Genesis 1–3 is thus first and foremost a piece of literature with a specific content. The passage seeks to communicate with the reader; it seeks to convey a message. The author had a clear vision of what he was presenting. He wants his message to be understood exactly as he intended it. The goal of these two articles is to uncover and present this meaning. What can we learn when we examine Genesis 1–3 as literature with a specific content? To which literary genre does this text belong? Since this is what we seek to determine, the term “literary genre” appears in the title of both articles. The second term in the headline is “historicity.” Genesis 1–3 bears witness to the beginning of the world, the earth, and the history of humanity. In doing so, it uses expressions such as “first day,” “second day,” … “seventh day.” This clearly gives the impression of a chronological sequence. Is this impression accurate? Some interpreters deny this. But on what grounds is this understanding rejected? What does the author of Gen 1–3 actually mean?

The author of this article is committed to the method of scholarly exegesis. The history of textual interpretation (hermeneutics) has shown that philosophical or hermeneutical (pre)conceptions have imposed numerous interpretive frameworks on Genesis 1–3, thereby obscuring rather than illuminating the content. The present author, too, runs the risk of falling into similar errors. The great art lies in observing and striving to understand what the text’s testimony says. This is very difficult for people of the postmodern era, who are additionally shaped by the Enlightenment and modernity. Can we—and are we willing to—step outside our own perspectives? The present exegete is convinced that he has made continuous and sincere efforts to understand this text. It is a challenge to seek to understand Genesis 1–3 the way it is meant to be understood. But in doing so, we are given the opportunity to recognize the Creator’s work the way He intends it to be recognized. For His testimony is given to humankind. By entrusting this testimony to humanity to be written down, it simultaneously becomes a human testimony as well. These chapters have long been part of world literature.

The first article deals with the creation account (Gen 1:1–2:3) under the heading How Did Creation Take Place? The second article is devoted to the account of the Garden of Eden (Gen 2:4–3:24) with the question What Happened in the Garden of Eden? Both accounts are interconnected. At the same time, however, they are also different, and therefore the questions they raise are also different. The introduction at the beginning of the first article refers to both parts. The conclusion of the second article summarizes both parts. In this way, the unity of the two articles is preserved. Many older and more recent interpretive proposals for understanding Genesis 1–3 are discussed and evaluated in these articles.

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